Software-Leitfaden
Hausverwaltungssoftware: Funktionen, Anbieter, Auswahl
Was ist Hausverwaltungssoftware?
Hausverwaltungssoftware ist die Software-Kategorie, mit der Wohnungs- und Hauseigentümer sowie professionelle Verwalter die laufende Verwaltung von Wohnimmobilien abwickeln. Sie kombiniert Funktionen aus drei klassischen Disziplinen: doppelte Buchführung, Dokumenten-Management und Kommunikations-Plattform.
Abzugrenzen von Property-Management-Systemen (PMS) im gewerblichen Immobiliensektor: PMS-Systeme wie Yardi oder MRI sind für institutionelle Eigentümer mit Hunderten Objekten konzipiert. Hausverwaltungssoftware im hier verstandenen Sinn bedient Privatpersonen, WEGs und kleine bis mittelgroße Verwaltungen — typisch 5 bis 5.000 Einheiten.
Funktionen, die eine moderne Lösung haben muss
Die folgenden acht Funktionsblöcke sollten in einer modernen Hausverwaltungssoftware Standard sein. Wer einen oder mehrere davon vermisst, kalkuliert vor dem Kauf den Workaround-Aufwand:
Buchhaltung
Hauskonten-Verwaltung, doppelte Buchführung, monatliche Bilanz, GoBD-konforme Belegablage.
Banking-Integration (PSD2)
Automatischer Abruf der Bankumsätze über PSD2-API, KI-gestützte Zuordnung zu Buchungen.
Abrechnungen
Wirtschaftsplan, Jahresabrechnung nach § 28 WEG, Nebenkostenabrechnung nach BetrKV und HeizkostenV.
Mieter- und Eigentümer-Portal
Self-Service für alle Beteiligten: Belege, Verträge, Tickets, Kommunikation, Abrechnungen.
DATEV-Schnittstelle
Export der Buchungssätze, Salden und Belege im DATEV-Format für den Steuerberater.
Rechte- und Rollenkonzept
Trennung zwischen Verwalter, Mitarbeiter, Beirat, Eigentümer und Mieter mit feiner Berechtigungs-Vergabe.
Mobile-Verfügbarkeit
Responsive Web-App oder native Mobile-App für Schaden-Meldung, Belege-Einsicht, Push-Benachrichtigungen.
Datenexport
Strukturierter Export aller Daten (CSV, DATEV, PDF-Bundle) für den Fall eines Anbieterwechsels.
Anbieter-Kategorien im Markt
Der deutsche Markt für Hausverwaltungssoftware teilt sich in vier Kategorien mit unterschiedlichen Zielgruppen:
Pure Software (SaaS)
3–10 € / Einheit / MonatBeispiele: immocloud, Casavi, Objego, Vermietet.de
Passt für: Vermieter mit 10+ Einheiten, die selbst verwalten wollen und entsprechende Zeit haben.
Klassische Vollsoftware (On-Premise)
500–2.000 € einmalig + WartungBeispiele: Karthago, GFAD, Domus
Passt für: Etablierte Hausverwaltungen mit eigener IT-Mannschaft und langer Historie in diesen Systemen.
Komplett-Anbieter (Software + Service)
22–35 € / Einheit / Monat inkl. VerwaltungsleistungBeispiele: Vesalo, Matera, klassische Regionalverwalter mit Portal
Passt für: WEGs und Vermieter, die nicht selbst verwalten wollen oder können.
Module / Add-ons
ab 1 € / Einheit / Monat pro ModulBeispiele: etg24 (WEG-Portal), e-vermieter.de (Mietkonto)
Passt für: Bestehende Verwaltungen, die einzelne Funktionen modernisieren wollen (z. B. ein WEG-Portal nachrüsten).
Schnittstellen: DATEV, Banking, ELSTER
Eine Hausverwaltungssoftware ist nur so gut wie ihre Schnittstellen. Drei sind im deutschen Markt unverzichtbar:
- DATEV-Export: Die meisten Steuerberater in Deutschland arbeiten mit DATEV. Eine saubere Export-Schnittstelle (oft als „DATEV-Format ASCII") spart dem Steuerberater Tippzeit, die er sonst dem Vermieter berechnet.
- PSD2-Banking: Seit der PSD2-Richtlinie können Drittanbieter mit Einwilligung des Kontoinhabers Bankumsätze abrufen. Hausverwaltungssoftware nutzt das, um Mieteingänge automatisch zu identifizieren und Buchungen zuzuordnen. Wichtig: Anbieter muss als ZAG-lizenzierter Kontoinformationsdienst arbeiten oder mit einem solchen kooperieren (z. B. FinAPI, GINI).
- ELSTER (optional): Für Vermieter, die ihre Mieteinkünfte selbst beim Finanzamt einreichen, hilft eine Anlage-V-Vorbereitung als CSV oder PDF — direkte ELSTER-Anbindung haben nur wenige Anbieter, ist aber für die meisten User auch nicht erforderlich.
Lizenzmodelle und Kosten
Hausverwaltungssoftware wird in drei verschiedenen Lizenzmodellen angeboten — die Wahl hängt von Bestandsgröße und Verwaltungsstrategie ab:
- Per Einheit und Monat (SaaS): Übliches Modell bei Cloud-Anbietern. Skaliert mit dem Bestand — passt für Vermieter und Verwalter, deren Bestand variiert.
- Einmalige Lizenz + Wartung: Klassisch bei On-Premise-Software. Hohe Anfangsinvestition, jährliche Wartungsgebühr. Lohnt für Bestände, die über viele Jahre stabil bleiben.
- Komplett-Tarif inkl. Verwaltung: Wie bei Vesalo. Höhere Pauschale pro Einheit und Monat, dafür ist die Verwaltungsleistung enthalten. Echter Vergleich gegenüber SaaS-Lösungen: Hinzu kommen sonst der eigene Zeitaufwand oder die Vergütung eines klassischen Verwalters.
Auswahl-Kriterien
Die folgenden zehn Kriterien helfen, eine Hausverwaltungssoftware belastbar einzuordnen. Wenn fünf oder mehr fehlen, lohnt ein Anbieter-Wechsel — oder ein Wechsel auf einen Komplett-Anbieter, der die Werkzeug-Auswahl für Sie übernimmt:
- 1Hosting in Deutschland oder EU, DSGVO-konform, AV-Verträge mit allen Subprozessoren dokumentiert
- 2DATEV-Schnittstelle als Standard, nicht als kostenpflichtiges Add-on
- 3PSD2-Banking-Anbindung für die wichtigsten deutschen Banken (Sparkasse, Volksbank, Commerzbank, ING, DKB)
- 4Mandantenfähigkeit, falls mehrere Objekte / WEGs separat geführt werden müssen
- 5Strukturierter Datenexport im CSV- und DATEV-Format ohne Sperrklauseln
- 6Mobile-App oder responsive Web-App für Mieter und Eigentümer
- 7Tägliche Backups mit Punkt-in-Zeit-Wiederherstellung
- 8Transparentes Pricing ohne versteckte Setup-Gebühren oder Storage-Limits
- 9Belegfluss mit OCR oder KI-Klassifikation, nicht reine manuelle Eingabe
- 10Aktive Weiterentwicklung mit dokumentiertem Changelog
Vesalo: Software + Verwaltung in einem
Vesalo entwickelt die Plattform selbst und nutzt sie für die eigene Verwaltungsleistung. Daraus ergeben sich drei Konsequenzen, die ein reiner Software-Anbieter nicht liefern kann:
- Funktionen werden aus der echten Verwaltungspraxis priorisiert — wir bauen, was wir selbst täglich brauchen.
- Bug-Fixes und Optimierungen landen unmittelbar im laufenden Tagesgeschäft. Kein Feature-Backlog, der auf den nächsten Release-Termin wartet.
- Hosting, Datenfluss, DSGVO-Compliance sind unter einem Dach. Keine Zerteilung der Verantwortung zwischen Software-Anbieter und Verwalter.
Für Verwaltungen, die nur die Plattform nutzen wollen (ohne unsere Verwaltungsleistung), bereiten wir aktuell ein B2B-Whitelabel-Angebot vor. Mehr dazu auf der B2B-Seite.
Häufige Fragen
Brauche ich als Vermieter mit zwei Wohnungen eigene Hausverwaltungssoftware?
Für ein bis fünf Einheiten reicht in der Regel eine strukturierte Excel-Tabelle plus DATEV beim Steuerberater. Hausverwaltungssoftware lohnt ab etwa sechs Einheiten oder wenn Sie eine WEG verwalten — dort sind Beleg-Transparenz, Beschluss-Sammlung und Versammlungs-Vorbereitung nicht mehr ohne Werkzeug zu bewältigen. Alternative für kleine Bestände: einen Verwalter beauftragen, der Software UND Service liefert (siehe unten).
Was ist der Unterschied zwischen Software und Komplett-Dienstleistung?
Reine Software-Anbieter (etwa Casavi, Objego, immocloud) verkaufen das Werkzeug — die Verwaltungsarbeit machen Sie selbst oder lassen sie machen. Komplett-Anbieter wie Vesalo liefern Werkzeug PLUS die eigentliche Verwaltungsleistung in einem Paket. Wer nur Software kauft, spart Lizenzkosten — wer Service mitkauft, spart Arbeitszeit.
Wie wichtig ist die DATEV-Schnittstelle?
Sehr wichtig, sobald ein externer Steuerberater die Buchführung übernimmt. Eine saubere DATEV-Schnittstelle exportiert Buchungssätze, Kontostände und Belege im DATEV-Format (oft als XML oder CSV nach dem DATEV-Format „ASCII-Schnittstelle“). Ohne DATEV-Export tippt der Steuerberater Stunden ab, was die Hausverwaltungssoftware bereits sauber strukturiert hat.
Cloud oder Self-Hosted?
Cloud ist Standard. Self-Hosted ist nur sinnvoll, wenn besondere Compliance-Anforderungen das verlangen (selten bei Hausverwaltung) — und es bringt erheblichen Wartungsaufwand für Updates, Backups und Sicherheit. Wichtig bei Cloud: Hosting in Deutschland oder mindestens EU, dokumentierter Verarbeitungsverzeichnis, AV-Verträge nach DSGVO Art. 28.
Wie lange dauert das Onboarding einer neuen Software?
Für einen Bestand von 20 bis 50 Einheiten realistisch zwei bis sechs Wochen — abhängig von der Datenqualität des Vorsystems. Stammdaten-Import (Mieter, Eigentümer, Verträge), Kontostände, offene Forderungen, Belegarchiv, Eröffnungsbilanz. Wer migriert ohne strukturierten Datenexport vom Altsystem, plant sechs bis zwölf Wochen ein.
Was kostet Hausverwaltungssoftware pro Einheit und Monat?
Reine Software-Lizenzen liegen typischerweise zwischen 3 € und 10 € pro Einheit und Monat (z. B. immocloud, Casavi, Objego). Komplett-Lösungen mit Verwaltungsleistung beginnen bei Vesalo ab 22,90 € (WEG) bzw. 24,90 € (Miete) pro Einheit und Monat. Wer den eigenen Stundenaufwand realistisch mitrechnet, kommt bei Self-Service oft auf einen vergleichbaren oder höheren Gesamtwert.
Welche Funktionen sind verzichtbar?
Viele Anbieter werben mit Funktionen, die in der Praxis selten genutzt werden: KI-Mietsteigerungs-Prognosen, automatisierte Bewertungsmodelle, Marketing-Module für Neuvermietung. Wer 95 % der Verwaltungsarbeit erledigt bekommt, braucht: Buchhaltung, Belegmanagement, Mieter- und Eigentümer-Portal, NK-/Jahresabrechnung, DATEV-Export. Alles andere ist Bonus.
Kann ich von einer Software auf eine andere wechseln?
Theoretisch ja, praktisch ist es Arbeit. Wichtige Vorab-Frage beim Kauf: Wie ist der Datenexport geregelt? Wir empfehlen, beim Vertragsschluss eine Klausel zu fordern, die die Datenherausgabe in einem strukturierten Format (CSV, DATEV, PDF-Bundle) auch noch zwölf Monate nach Vertragsende garantiert.
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